25 Apr, 2017
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Rente von damals

Ein Vertrag zur Sicherung im Alter, wie er vor nicht all zu langer Zeit in Pritzerbe und natürlich anderen Orts zwischen den "Alten", die das Hab & Gut an die "Jungen" weiter gaben, geschlossen wurde. Diese Verträge dienten der Altersvorsorge.

Heute haben wir dafür die Rente. Vielleicht sollten wir diesen Vertrag aber nicht all zu weit weg legen. Wer weiß, ob wir so etwas nicht bald wieder brauchen. Aus diesem Grunde haben wir ihn für alle Fälle hier ausgestellt...

Vertrag

§ 1

Vom heutigen Tage an übertrage ich mein zu Pritzerbe Nr. 26 auf dem Kietz belegene Altkleinbürgergut meiner Tochter Emilie Sch. geborene E. und ihrem Ehemann, dem Fischer und Kleinbürger Friedrich Sch., nebst allen dazu gehörigen Rechten, partinenzien und gerechtsamen, namentlich der Kleinfischerei auf der Havel und dem Anteil der Groß - Garnfischerei im Pritzerber See, dazuh dem sämtlichen vorhandenen Vieh und Wirtschaftsgüter für die Summe von 5.400 M. und das weiter unten festgesetzte Altentheil.

§ 2

Ausgeschlossen von der Übertragung bleiben die Betten, Möbel, Küchengeräte und die Fischereigerätschaften, und Fischerzeuge, die zur Ausübung der Klein - Fischerei gebraucht werden. Ferner die vom Ziegeleibesitzer Flügel angekaufte, im Bruch belegene Wiese. dazuh behalte ich mir den freien Gebrauch der Wirtschaftsgeräte vor.

§ 3

Eine Restsumme von 1.200 M. creditiere ich den Übernehmenden und verpflichten sich letztere

1. dasselbe mit 4 ½  % jährlich in vierteljährlichen Theilen vom Tage der Übernahme zu verzinsen, auch

2. vom Kapitalsbetrag im Ganzen oder in Raten nach meinem Verlangen oder Gebrauch baar auszugeben. Was vom Kapitalsbetrag bei meinem Tode oder den meiner Ehefrau noch nicht ausgezahlt worden, fällt meinen Kindern zu gleichen Theilen als Erbe zu, desgleichen vorbenannte Wiese. Die Übernehmenden bleiben bei diesem Erbrecht ausgeschlossen. Zur Sicherheit obiger 1.200 M nebst Zinsen verpflichten sich die Annehmenden am Tage der Auflassung dem Ausgeber mit dem ganzen vorbezeichneten Grundstück Hypothek zu bestellen und einzutragen.

§ 4

Sämtlicher auf dem Gute bestehenden Lasten und Abgaben, soweit sie bestehen oder noch kommen, haben die Übernehmenden vom Tage der Übernahme ab alleine zu tragen.

§ 5

Außer dem Annahme - Preis von 5.400 M. gewähren die Annehmenden dem Ausgeber und seiner Ehefrau bis zum Tode des zuletzt Überlebenden unentgeltlich nachstehendes Altentheil.

a) vorn vom Eingange zur linken Seite des Flurs sämtliche wohnlich eingerichteten Räume im unteren Stockwerke zur Wohnung, freies, trockenes, angefahrenes und kleingemachtes Brennmaterial für Wohnung Küche und zur Wäsche.

b) Soviel freien, jederzeit zugänglichen Raum im Keller, auf dem Boden oder auf dem Gehöfte, wie zur Unterbringung und Aufbewahrung meiner Sachen und Fischer - Gerätschaften nothwendig sind.

c) Essen und Trinken für mich und meine Frau nebst Tochter, so lange diese unverheiratet im Hause ist, freie Reinigung der Wäsche mit Seife, sowie freie Reinigung Aufwartung in gesunden und kranken Tagen, sowie in Krankheitsfällen freie ärztliche Hilfe und freie Medizin. Im Fall, daß der Ausgeber vom Essen und Trinken am Tisch der Annehmenden nicht Gebrauch machen will, statt dessen in natura.

I. jährlich :

1. 6 Scheffel Roggen

2. 12 Scheffel gute Eßkartoffeln

3. als Entschädigung für den Herd. Gewünscht  26 M.

4. die Hälfe des gewonnenen Obstes

5. 1 Schock frische Eier u. ½ Schock guten Kuhkäse

6. ¼  Ztr. Weizenmehl   (wurde gestrichen)

7. ein fettes Schwein im Wert von 75 M. sowie Räucherung und Aufbewahrung desselben

II. wöchentlich ein (Pfund) gute Butter

III. täglich 1 Liter gute Kuhmilch

d) die Hälfte des Gartens, bei der Zemlin´schen Mühle (Mühlenstr.) gelegen nebst freien Dünger

e) Freie Ausübung der Klein - Fischerei auf dem Pritzerber See

f) Freie Reisefuhren für mich und meine Frau nebst freie Wirtschaftsfuhren

g) Freie Lieferung von Stützen und Pfählen aus Heide und Lake, wie sie zur Ausübung der Fischerei gebraucht werden

h) Eine Einmalige Entschädigung vom 75 M. beim Verkauf des Holzbestandes aus der Heide.

§ 6

Auch soll nach unserem Tode meine jüngste Tochter Auguste lebenslänglich meine Altentheils Wohnung und Aufwartung, freies Brennmaterial und Wäsche, falls sie sich nicht verheiratet, behalten. Andernfalls fällt diese fort.

§ 7

Vorstehender Altentheil ist auch dann zu gewähren, wenn wir oder einer von uns seinen Aufenthalt außerhalb der Altentheil -Wohnung nehmen sollten, frei und unentgeltlich dorthin zu leisten, sowie die jederzeitige Rückkehr zu gestatten. Zur Sicherheit dieser Altentheilsprästationen verpflichten sich die Annehmenden mit dem ganzen Grundstück und willigen in die Hypothekische Eintragung desselben.

§ 8

Dieser Vertrag ist in Duplo auszufertigen, der Besitztitel für die Annehmenden zu berichtigen und sämtliche Kosten von demselben zu tragen.

Rechtschreibung im Original aus der Deutschen Sütterlin- Schrift Übersetzung: Jürgen Patzlaff.