25 Mar, 2017
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Das Großbürgergut Freidank/Rohrschneider in Pritzerbe

Die Geschichte des Großbürgergutes Freidank, vormals Rohrschneider in Pritzerbe, dürfte weitgehend unbekannt sein, da es bereits 1889 vollständig aufgeteilt wurde. Im Weichbild von Pritzerbe von 1811 ist die Flächengröße des Gutes Rohrschneider, damals Marktstr. Nr. 72, ohne Grenzen in nördlicher Richtung bezeichnet.

Im Grundbuch von Pritzerbe Nr. 84 ist die Größe des Großbürgergutes mit 86 Hektar, 14 Ar und 58 m² angegeben. Nach heutigen Maßstäben sicherlich ein kleiner Betrieb, aber in den 1920-er Jahren lag die Größe der Bauerngüter in Pritzerbe zwischen 20 und 30 Hektar. Der Gutshof mit Gärten und Wiese lag an der heutigen Marktstr. 18 Richtung Bahndamm und darüber hinaus. Die B 102 verläuft über die ehemalige Wiese. Das Gutshaus erstreckte sich über 22 m Länge entlang der Marktstr. Eine Hälfte des alten, abgebrannten Gebäudes, Teil des Erdgeschosses, ist heute noch vorhanden und die Fensteröffnungen und Kellerfenster sind zu erkennen. Die andere Hälfte des Gebäudes hat Mauerermeister Friedrich Malz, nach dem Kauf eines Teiles des Gutshofes 1894, abgebrochen und auf diese Fläche sein Wohnhaus errichte, das sich heute im Besitz der Urenkelin befindet.

Zur Geschichte:

Der erste erwähnte Besitzer des Gutes war Michael Rohrschneider. Er war Anfang 1810 verstorben. Sein Sohn Cuno Rohrschneider kaufte von seiner Mutter Wilhelmine, geborene Schenck, sowie von seiner Schwester, verehelichte Hartwig, deren Erbanteile für 1.200 Thaler. Cuno Rohrschneider war um 1767 geboren, hatte Johanna Friederike Jordan geheiratet und war am 27.6.1831 verstorben.

Die Tochter Johanna Friederike Wilhelmine Rohrschneider, geboren am 26.8.1796, hatte am 27.8.1829 den Ackerbürger Carl Friedrich Wilhelm August Freidank, geboren am 3.6.1799, geheiratet. Nach dem Tod des Vaters Cuno Rohrschneider, hat sie ihrer Mutter sowie ihrer Schwester Wilhelmine (?)(laut Grundbuch) Caroline Albertine (laut Kirchenbuch) für 2.400 Thaler deren Erbanteile abgekauft und wurde am 3.3.1832 als Eigentümerin in das Grundbuch eingetragen.

Erst am 17.1.1839 wurde der Sohn Carl Friedrich Hermann Freidank geboren. Als einziges Kind der Eheleute Freidank wurde er von der Mutter als Gutsbesitzer erzogen. Viel zu früh, im Alter von 26 Jahren, ist er an einer Lungenkrankheit am 19.10.1864 verstorben. Die tief trauerde Mutter ließ auf dem Familiengrab das heute noch existierende Denkmal nördlich der Kirche errichten. Auch ihr Ehemann, verstorben am 2.8.1869, sowie sie selbst, verstorben am 28.4.1877, fanden hier die letzte Ruhe.

Wahrscheinlich durch den Tod des Sohnes niedergeschlagen, wurden am 22.4.1865 Anteile des Großbürgergutes an der Klein- und Garnfischerei von der verehelichten Freidank, sowie die auf dem Titelblatt Nr. 1- 6 aufgeführten Grundstücke des Ackerbürgers Karl Friedrich Wilhelm August Freidank für 17.000 Thaler an den Ziegeleibesitzer Wilhelm Hermann Hartwig verkauft. Ob es sich bei dem Käufer um den Onkel oder einen Cousin der Johanna Friederike Wilhelmine Freidank handelte, blieb bisher ungeklärt.

Nach ihrem Tod hat Johanna Friederike Wilhelmine Freidank der Pritzerbe Kirche ein Legat von 1.000 Reichsthaler, gleich 3.000 Mark hinterlassen, von dem die Kirche 1878 einen neuen und höheren Kirchturm bauen lassen konnte. 1886 hörte das Großbürgergut Freidank / Rohrschneider auf zu existieren, denn der Grundbesitz wurde in 50 Teilen an verschiedene Bürger verkauft. Die alten Eintragungen im Grundbuch wurden am 19.7.1889 geschlossen und die Teile auf andere Grundbuchnummer umgeschrieben, bzw. es wurden neue Grundbuchnummern am gleichen Tag angelegt.

Zimmermeister Gustav Schwarz, der viel Besitz in Pritzerbe hatte, kaufte zwei Anteile vom ehemaligen Gut, die unter den neuen Grundbuch- Nr.  600 u. 601 eingetragen wurden und ließ 1886 an der Dammstraße das Postgebäude errichten. Am 20.12.1894 verkaufte er einen Teil der Grundbuchnummer 600 an den Maurerpolier Friedrich Malz. Einen weiteren Teil der gleichen Grundbuchnummer kaufte der Nachbar Schmiedemeister Wilhelm Horlitz am gleichen Tag. Der Besitz der Grundbuch Nr. 601 von Gustav Schwarz, das Postgelände, erbte am 24.6.1931 Elfriede Hartwig, geb. Schwarz, wobei die Mutter Anna Schwarz, geb. Hampe ein lebenslanges Nießbrauchsrecht erhielt.

Maurermeister Friedrich Malz brach nach 1894 die Brandreste des halben alten Gutshauses ab und errichtete das heute vorhandene Wohnhaus. Die andere Hälfte des alten Gutshauses nutze er als Grundstücksmauer. Durch die Teilverkäufe befanden sich mehrere Eigentümer auf dem Gelände Marktstr. 18. Die Scheunenbesitzer hatten ein Überfahrtsrecht über die Grundstücke Malz und Horlitz. Die Besitzer der Gärten hinter den Scheunen bekamen das Überfahrtsrecht auch bereits am 19.7.1889 durch den "Postgang".

Nachdem bereits 1981 eine Scheune zurück gekauft wurde, ist seit November 2009 auch die zweite Scheune wieder zum Grundstück Marktstr. 18 zugehörig.