25 Apr, 2017
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Überblick über die Pritzerber Schiffseigner

Schiffseigner und Reeder Ernst Weber

Ernst Weber

Ernst Weber wurde am 29.5.1888 in Pritzerbe, Kietzstr. 14, als jüngstes von sieben Kindern des Fischers Christian Friedrich Wilhelm Weber und der Auguste Louise Karoline, geb. Kähne, geboren. Nach achtjähriger Schulausbildung in Pritzerbe, ging er am 25.6.1902 in die Lehre als Schiffer bei seinem ältesten, neunzehn Jahre älteren, Bruder, dem Schiffseigner Friedrich Weber, an Bord.

Mehrmals wechselte Ernst Weber den Schiffseigner und Ausbilder, so war er 1903 bei August Mangelsdorf aus Pritzerbe, 1904 wieder bei seinem Bruder und bei Karl Mangelsdorf aus Pritzerbe und beendete 1905 seine Lehre. Am 28.10 1903 war der Vater von Ernst Weber verstorben und die Mutter zog zum Sohn Otto Weber in die Havelstr. 19, wo sie am 12.9.1908 verstarb. Das Haus Kietzstr. 14 wurde verkauft. Als sich sein Bruder Friedrich Weber 1905 beim Schiffbaumeister Wilhelm Paelegrim ein neues Schiff (Fritz- Willi) bauen ließ, arbeitete er sicherlich beim Schiffbau mit, denn es finden sich 1905 keine Eintragungen von Schiffen in seinem Schifferdienstbuch. Nach Fertigstellung ging er am 15.3.1906 als Bootsmann zu seinem Bruder an Bord. Von hier aus trat er von 1908 bis 1910 seinen Militärdienst u.a. auch in Köln am Rhein an. Nach Dienstende ging er am 29.9.1910 wieder zu seinem Bruder an Bord und hatte den festen Willen, sich so schnell wie möglich mit einem eigenen Schiff selbstständig zu machen.

1911 erwarb er nach dem Besuchen der Pritzerber Schifferschule das Schifferpatent und erteilte dem Schiffbaumeister Paelegrim den Auftrag, ein neues Schiff nach seinen Wünschen, einen "Plauer Maß- Kahn" (65 m lang und 8 m breit), zu bauen. Am 4.1.1913 hat er mit seinem neuen Schiff "Ernst" die Bauwerft verlassen, um nach Hamburg zu fahren. Als Bootsmann hatte er Ernst Brose aus Pritzerbe angestellt. In Hamburg wurde er vom Winter überrascht und so konnte er erst am 14.3.1913 seine erste Ladung, englische Kohle für die Berlin- Mariendorfer Gasanstalt, übernehmen.

  • Schleppkahn `Fritz-Willi`Schleppkahn `Fritz-Willi`
  • Schleppkahn `Ernst`Schleppkahn `Ernst`
  • Schleppkahn `Liesbeth`Schleppkahn `Liesbeth`
 

Nach der Mobilmachung 1914 hat er am 3.8. sein Schiff in Hamburg in Wache gegeben und ist am 5.8. mit vielen Pritzerbern abgefahren, um sich in Spandau zum Dienst zu stellen. 1917 wurden auf Befehl der Reichskriegsführung über 200 Schiffe vom Elbegebiet über die Nordsee und Weser in das westdeutsche Kanalgebiet überführt, für Transporte zwischen dem Rhein und Hannover, bis hier war 1915 der Mittellandkanal fertig gestellt worden. Auch das Schiff von Ernst Weber sollte überführt werden. Am 16.4.1917 traf er, aus Rumänien kommend und freigestellt, in Hamburg auf seinem Schiff ein. Es wurde mit Schnittholz für Duisburg beladen. Vom 26.4.1917 bis zum 12.5.1917 dauerte die Überfahrt von Hamburg nach Bremen mit Wartezeit in Cuxhaven. Er war dem Schiffer- Ersatz- Bataillon Duisburg unterstellt und befuhr auch kurze Strecken auf dem Rhein. Er hätte nie gedacht,

... dass ich so kurz nach meiner Dienstzeit in Köln mit eigenem Schiff auf dem Rhein fahren würde.

  • Schiff `Ernst`Schiff `Ernst`
  • TMS `Ernst Weber`TMS `Ernst Weber`
  • TMS `Christian Weber`TMS `Christian Weber`
 

 Nach Kriegsende wurde er am 30.12.1918 vom Soldatenrat aus der Armee entlassen. In Wanne (-Eickel) lernte er seine Frau Liesbeth kennen, die er am 22.12.1919 heiratete. Die Tochter Lotte wurde am 2.8.1920 in Wanne geboren. Aufgrund der schlechten Lage in der Schifffahrt, wurde als Interessenvertretung der ehemaligen Elbschiffer im westdeutschen Industriegebiet nach einigen Verhandlungen am 25.9.1921 in Hamm / Westfalen die "Privatschiffertransportgenossenschaft Elbia" mit Sitz in Hannover gegründet und Ernst Weber in den Vorstand gewählt. Am 8.1.1922 wurde er als Geschäftsführer für Duisburg gewählt. Auch als der Hauptsitz 1928 nach Duisburg verlegt wurde, blieb er Geschäftsführer bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 1953. Er setzt sich u. a. für die Motorisierung der Schleppkähne ein, wozu er manche Schiffer fast zwingen musste.

Kleiner nicht vollständiger Schiffslebenslauf des Schleppkahnes "Enst" in Bildern von den 20er Jahren bis zur Abwrackung 1994.

  • Schleppkahn `Siegfried`Schleppkahn `Siegfried`
  • Schleppkahn `Erika`Schleppkahn `Erika`
  • MS `Erika`MS `Erika`
  • MS `Verden`MS `Verden`

Trotz der unterschiedlichen Schiffsnamen  handelt es sich immer um ein und das selbe Schiff, den ersten für Ernst Weber gebauten
Schleppkahn "Ernst" von Wilhelm Paelegrim.

Nebenher baute er sich seine eigene Reederei auf. Sein zweites Schiff 1922 hieß "Liesbeth". Sein erstes neugebautes Tankschiff hieß ebenfalls "Ernst", die anderen Schiffe hatte er schon verkauft. Durch Ankauf, Verkauf und Neubau hatte er in seiner  Reederei, der "Ernst -Weber- Schifffahrts- und Bunkerdienstgesellschaft Duisburg", eine Flotte von 7 Tankschiffen und 7 Frachtschiffen aufgebaut, die fast alle den Nachnamen  "Weber" und einen Vornamen aus der Familie führten. 1958 übergab er die Reederei seiner Tochter, die dann 1975 verkaufte.

Am 21.1.1969 ist Ernst Weber im Alter von 81 Jahren in Duisburg gestorben. Seine Firma existierte noch bis 2002 unter dem Namen "Ernst-Weber-Schiffahrts- und Handelsgesellschaft Duisburg. Der Flottenbestand der Reederei im Jahr 1963 nach der Übernahme durch die Tochter Lotte Stauder, geb. Weber:

 

GMS = Gütermotorschiff,  TMS = Tankmotorschiff,  Länge, Breite, Tiefgang ,     Tonnage,        Bauwerft,               Jahr,          PS

 

GMS  "Ajax"                                                                  69,70      x   7,15    x   2,51             832 t        Deest/ Holl.               1929        400 PS

GMS "Frauenlob"                                                        67,01       x   7,80     x   2,37            860 t        Bolnes/Holl.             1902        450 PS

GMS " Helmut"   ex "Hecht"                                       67,00       x   8,19     x   2,19            840 t        Martenshoek/ Holl. 1929       375 PS

GMS "Karoline Weber"  ex "Süntel"                          67,18      x   8,23     x   2,50            954 t        Hameln                    1943        500 PS

GMS "Otto Weber" ex "Leuchtenburg 2"                  66,88      x   8,24     x   2,52            924 t        Harlem/Holl.             1942       340 PS

GMS "Renate Weber"  ex "Eigenhulp"                     67,00       x   8,18     x   2,32            825 t        Heusden/Holl.         1924       450 PS

GMS "Saturn"                                                               67,00       x   8,20     x   2,30            906 t       Kiel                       1929       560 PS

GMS "Fritz Weber"                                                       85,00     x    9,50     x    2,80         1594 t      Meidericher Schiffswerft, Duisburg   1972     1000 PS

 Dieses Schiff war der letzte Neubau vor dem Verkauf der Firma.

 

 TMS "Christian Weber"                                              79,95       x   8,20     x   2,31            994 t        Vlotho                        1960       700 PS

TMS "Christoph Weber"                                             77,00        x   8,04     x   2,45            995 t       Minden/Weserwerft  1953       500 PS

TMS "Elisabeth Weber"                                              66,91       x   8,19     x   2,61            976 t       Minden/Weserwerft   1957       500 PS

TMS "Ernst Weber"                                                      66,95       x   8,20     x   2,52            906 t       Minden/Weserwerft   1954       500 PS

TMS "Klara Weber"                                                      67,00       x   8,20     x    2,52           900 t      Duisburg/ Werft Berninghaus 1958   500 PS

 TMS "Friedrich Weber"  ex "Ernst"                           77,00        x    8,16    x    2,35            962 t       Laubegast                 1942   2x 250 PS

Dieses Schiff war sein erster Tankerneubau, den er als "Ernst" in Dienst stellte. Nach dem Tod seines Bruders nannte er es "Friedrich Weber". Mit diesem Schiff stieg er in die Tankschifffahrt ein.

TMS "Lotte Weber"                                                      72,30      x    8,18    x    2,43            992 t        Minden/Weserwerft    1959      450 PS

TMS "Patria"                                                                 67,00       x    8,18    x    2,30            801 t        Erlenbach                   1939      400 PS

 U.A war dort auch Heinz Scherf aus Pritzerbe, später Kamp/Bornhofen als Schiffer beschäftigt.

Ausserdem hatte er noch 3 Bunkerboote im Einsatz: "Esso 61",  "Esso 62", u. "Esso 63" für den Bunkerdienst im Duisburger Raum.