25 Mar, 2017
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Überblick der Pritzerber Schiffahrtsgeschichte

Chronik der Pritzerber Schifffahrt

Eine Chronik der Pritzerber Schifffahrtsgeschichte über rund 1000 Jahre.

um 800

Karl der Große zieht gegen die Slawen auch die Havel aufwärts vor.

 

01.10.948

König Otto der 1. gründet das Bistum Brandenburg und schenkt ihm die Städte Pritzerbe und Ziesar. Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Pritzerbe.

ab 1288

„Ein besonderer reger Handel zwischen der Mark Brandenburg und Hamburg wird durch die Eintragungen im Hamburger Schuldbuch bis in die Jahre nach 1320 bestätigt. Sie liefern an die Hamburger „Berliner Roggen" und märkisches Eichenholz, das auf dem Wasserweg in Frachtkähnen über Spree, Havel und Elbe transportiert wird." Aus:  Preussen, Kunst und Architektur  S. 15

1336

erstes überliefertes Hochwasser, Deichbruch der Elbe bei  Jerichow

09.10.1341

Der Bischof schenkt  der Marienkirche zu Zerbst Hebungen aus Pritzerbe „von dem Schiffe und dem Wehr bei der Stadt"  (vermutlich Fähre und Abgabenstelle).

1375

Von einer „Fähre seit alters her..." wird berichtet. (Gemeint ist die Havelfähre)

25.08.1550

Das Wehr in der Havel wird Peter und Hans Bardeleben zu Lehen gegeben.

1742

Im Trauregister des Kirchenbuches wird der erste Schiffer genannt, Schiffsknecht Christian Vallenthien als Brautvater. (Vor 1740 wurden keine Berufe eingetragen)

28.02.1776

Gründung der Pritzerber Schifferinnung

24.04.1787

Der Kaufmann Joachim Friedrich Hartwich übernimmt von der Vorbesitzerin, seiner Mutter Wilhelmine Marie Luise Hartwich, geb. Lehmann, Ehefrau des verstorbenen Christian Hartwich, u. A. die Fährgerechtigkeit für  1.077,- Thaler. Erster bekannter Besitzereintrag für die Havelfähre.

1801

Bei der Einwohneraufstellung werden nur 3 Schiffer genannt. Für 15 Männer fehlen die Berufsangaben, vermutlich abwesende Schiffer.

15.11.1815

15 Pritzerber Schiffseigner erhalten die Genehmigung, die Elbe zu befahren. Wie viele noch tätig waren, wurde nicht aufgezeichnet.

05.04.1817

Das zweite in Deutschland gebaute Dampfschiff „Der Courier" oder  „Kurier" fährt in Spandau ab, fährt über Pritzerbe und kommt am 08.04.1817 in Hamburg an.

20.01.1836

Der 19 jährige Schiffbaugeselle August Carl Schulze, in Nienburg geboren, meldet sich in Pritzerbe an.  Bei welchem Schiffbaumeister ? (Erster Schiffbauerhinweis)

08.10.1842

Wurden 35 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 32 - 71 t mit Heimathafen Pritzerbe aufgelistet und 9 Schiffe nachgetragen.

09.08.1859

Die Pritzerber Schifferinnung zählt 64 Schiffer.

11.12,1861

        Die "Grundbürger Commune" verpachtet an Schiffbaumeister Habedank die "Parzelle hinter dem Stimming´schen- Mühlen- Etablissement" als Schiffbauplatz

27.04.1863

Schiffbaumeister Habedank schließt Lehrverträge mit Carl Geigert aus Michendorf und Friedrich Anton Löwe aus Pritzerbe

Ostern 1864

Schiffbaumeister Friedrich Heuser (1825 - 18.09.1899) stellt den Lehrling Friedrich Kähne aus Pritzerbe ein. (Werftbetrieb am südlichen Seeufer, heute  B 102 Fohrde)

1865

Schiffbaumeister Habedank verkauft seinen Werftbetrieb (nördliches Seeufer, heute "Stimming´s Platz") an Schiffbaumeister Friedrich Heuser, der auch die Lehrlinge übernehmen muss.

07.01.1866

Karl Vortisch in Pritzerbe geboren. Schiffseigner und Direktor der Transport Genossenschaft zu Berlin (TGB) von 1904 bis zu seinem Tod am 20.12.1928.

20.10.1869

Ernst Wilhelm Rohrschneider verkauft die Fähre über den See an die Stadt Pritzerbe für 1500 Thaler. Die Kettenfähre war vermutlich nach 1815 eingerichtet und wurde 1895 durch einen Brückenbau ersetzt.

14.10.1871

Schiffbaumeister Christoph Friedrich Wilhelm Schwarz stirbt im Alter von 51 Jahren. Er war mit Caroline Friederike Wilhelmine Paelegrim verheiratet. Schiffsbauten von ihm sind bisher nicht bekannt. Für die Lage seiner Werft können mehrer Örtlichkeiten zutreffend sein.

1872

Ein Holzstevenkahn von Friedrich Heuser für Albert Breslau, Pritzerbe, hat nach dem Umbau bei Schiffbaumeister Joseph Günther, Pritzerbe, eine Tragfähigkeit von 142 t. Erster bisher gefundener Schiffbau in einem 1896 eingeführten Binnenschiffsregister.

1876

Sind in Pritzerbe 61 Schiffe beheimatet mit einer Tragfähigkeit von 56 - 150 t.

16.05.1876

Genehmigung des ersten Statutes der Pritzerber Kahnversicherungs- Gesellschaft a.G. mit dem ersten Büro im Haus von Direktor Friedrich Speck, Kirchstr. 16

1884

Schiffbaumeister Joseph Günther, Pritzerbe, baut einen Kompositkahn (Holzboden, Eisenbordwände) mit Tragfähigkeit von 97 t auf eigene Rechnung. Erster verzeichneter Schiffbau dieser Werft.

1885

Schiffbaumeister Carl Nethe, geb. 9.12.1839 in Pritzerbe, baut einen Holzstevenkahn für Albert Friesecke, Pritzerbe mit einer Tragfähigkeit von   188 t. Erster Eintrag dieser Werft.

13.08.1887

Carl Nethe wird von der Stadtverordnetenversammlung beauftragt „einen neuen großen Fährkahn zum Preis von M 100,37 Pf" zu bauen.

1887

In Roßlau/Elbe wird für die "Vereinigten Elbe- und Saaleschiffer", Alsleben, der Heckradschleppdampfer „Pritzerbe" gebaut. Später in Spandau beheimatet. Ab 1926 als „Atlas" in Landsberg/Warthe und nach 1945 als „Rion" in der DDR bis 1955.

29.05.1888

Ernst Weber in Pritzerbe geboren. Schiffseigner und Geschäftsführer der „Elbia" Privatschiffergenossenschaft in Duisburg von 1921 bis 1953 und Reeder  von 14 Schiffen bis 1958, dann an seine Tochter übergeben. Am 21.01.1969 verstorben.

1892

Carl Nethe baut für Carl Eggert, Pritzerbe, sein letztes Schiff, einen  Holzkahn mit  229 t Tragfähigkeit.

07.04.1892

Die Stadtverordnetenversammlung  stellt  Mittel für die Errichtung einer Schifferfachschule bereit, die am 21.02.1899 eingerichtet wird.

1896

Schiffbaumeister Wilhelm Paelegrim, geb. 29.12 1866 in Pritzerbe, baut nach der Fertigstellung der Brücke nach Fohrde 1895 sein erstes Schiff     einen Kompisitbau für August Ebel, Pritzerbe, mit einer Tragfähigkeit von 414 t (heute Stimming´s Platz)

1896

Schiffbaumeister Robert Heuser, geb. 21.11.1861 in Pritzerbe, Sohn von Friedrich Heuser, zieht nach Fertigstellung der Straßenbrücke mit seinem  Werftbetrieb zum um 1880 aufgespülten Havelgelände hinter der Mühlenstr. (heute Festwiese)

30.08.1900

Schiffbaumeister Joseph Günther erleidet einen schweren Unfall und seine Werft am See (bei Hänsel) geht 1901 in Konkurs. Später baute er in Caputh wieder Schiffe.

1903

Pritzerbe hat 40 Schiffseigner. Die Schiffe haben eine Tragfähigkeit von 100 - 540 t.

25.03.1904

Eröffnung der Brandenburger Städtebahn, der erster Spatenstich erfolgte am 19.03.1901 in Pritzerbe. Der  Bahndamm führt über das Werftgelände von Wilhelm Paelegrim, dem zum Ausgleich zur Seeseite Gelände aufgespült wird.

1907

Schiffbaumeister Wilhelm Paelegrim kauft sein Haus, Kirchstr. 19 a von Zimmermeister Blümner.

1910

In einer Aufstellung von Ernst Weber hat Pritzerbe 45 Schiffseigner.

1916 / 17

Über 200 Schiffe, darunter einige Pritzerber Schiffseigner, werden  auf Befehl  über Elbe und Nordsee zur Weser in das westdeutsche Kanalgebiet überführt, um Transporte auf dem bis Hannover fertig gestellten Mittellandkanal durchzuführen.

1922/23

Robert Heuser muss für die französische Siegermacht, wie viele deutsche Werften, zwei Schiffe montieren, deren Bauteile in Riesa/Elbe produziert wurden. Letzte Bauten dieser Werft.

27.11.1922

Die Fährgerechtigkeit der Fähre wird Rittergutbesitzer Gustav v. Schnehen, Kützkow, Rittergutbesitzer Botho v. Knoblauch, Buschow, und dem Kaufmann Friedrich Stimming, Pritzerbe, übertragen.

29.04.1924

Der Verkehrsverein Pritzerbe- Kützkow e.V. übernimmt die Fähre

20.11.1925

Die Pritzerbe Kahnversicherung kauft das Haus Kirchstr. 11, indem sie Büroräume gemietet hatte und stockt es 1928 auf.

Frühjahr 1927

Georg Meier und Ernst Friesecke wollen bei Schiffbaumeister Paelegrim einen großen Eisenkahn (67m lang 8,20 m breit) bauen lassen.                  („ Millionenbau") Im Aug./Sept 1927 übernimmt Schiffseigner  Richard Wuttke aus Rogätz das Bauprojekt und lässt festig bauen.                    Übergabe Juli 1928. 1945 von der Roten Armee beschlagnahmt.

1927

Fritz Schlode erster Pritzerber Eigner mit einem  Motorschiff, die MS „Helma".

1929

Der letzte Schiffbau aus Pritzerbe, Schleppkahn „Ilse- Lucie" (42 m lang 5,10 m breit), wird von Wilhelm Paelegrim für Albert Dannenberg aus Schmergow fertig gestellt. 1945 von Roter Armee beschlagnahmt.

07.09.1932

Die Stadt Pritzerbe übernimmt die Fähre und verpachtet sie an ehemalige Schiffer.

1939 - 1945

Pritzerbe hat 36 Schiffeigner, davon wurden 16 Schiffe, die von: Ernst Brüggemann, Wilhelm Euen, Gebrüder Fredrich, Georg Hartwig, Fritz Hoffschläger, Emil Krüger, Hermann Mangelsdorf, Werner Ostwald, Richard Palm, Paul Scherf, Georg Scherf, Johannes Schönald, Wilhelm Schwarz, Arthur Stölting, Oskar Stölting, und Fritz Wulkow von Roter Armee beschlagnahmt, 3 Schiffe gingen durch Bombentreffer verloren, 6 blieben oder gingen in die Westzonen, einer ist 1944 verstorben und sein Schiff wurde verkauft. Von den Verbliebenen 10  wurden bis 1963  7 Schiffe verkauft oder abgewrackt. Ernst Krüger ist mit Familie am 27.05.1949 im Greifswalder Bodden gesunken, einer war in Pritzerbe unbekannt und einer war bis zu seinem Tod 1985 im Dienst, 1987 wurde sein Schiff abgewrackt.

Mai 1945

Nach Sprengung der Fähre wird eine Holzbrücke über die Havel gebaut und später eine andere Seilfähre beschafft, die dann motorisiert wurde.

14.08.1946

Durch Gesetz wird die Pritzerber Kahnversicherung a.G. mit Grundstück von der Versicherungsanstalt des Landes Brandenburg übernommen

06.11.1952

geht das Grundstück  an die Deutsche Versicherungsanstalt und wird  am 01.08.1959 an den Rat der Stadt Pritzerbe übergeben

1962

Auf der Werft in Milow wird das Fährboot „Vorwärts"  für Pritzerbe gebaut, das auch für die Fahrradmitnahme geeignet ist.

1985

Der letzte Pritzerbe Schiffeigner stirbt im Alter von 83 Jahren. Sein Schiff, noch original von 1911 erhalten, wird 1987 in Aken/ Elbe abgewrackt.

1990

Werft Genthin baut für Pritzerbe eine neue Autokettenfähre.

29.05.1998

Die neu gestaltete Ablage wird eingeweiht und ein in Plaue gebautes Fährboot auf den  Namen „Kützkow" getauft, dass das Boot „Vorwärts" ersetzen soll.

16.06.1999

Das in 1955 in Rheinbrohl  gebaute Motorschiff erhält auf Vorschlag von Jürgen Patzlaff den Namen „MS Pritzerbe" und wurde 2013 noch so gesehen.

2009

Die Fahrgast Reederei Axel Otto übernimmt das Bootshaus Pritzerbe und kauft 2011 den ehemaligen Schlepper „Trotha" dazu und gibt ihm den Namen „Pritzerbe"

2011

Grundstück der ehemaligen Kahnversicherung ist in Privatbesitz und saniert

28.02.2011

Gründung des Pritzerber Schifffahrtsverein 1776 e.V. zur Traditionspflege. Ankauf des Vereinsschiffes „Ilse- Lucie" als technisches Denkmal.


17.05.2015

Eröffnung der ersten Ausstellung zur Pritzerber Schifffahrtsgeschichte an Bord unserer "Ilse- Lucie"